Arbeitsgemeinschaft für Digital-TV-Zukunft

Die Kommunikationsbehörde KommAustria und die Rundfunk- und Telekom Regulierung GmbH (RTR) haben mit der Auftaktveranstaltung "Digitale Plattform Austria" den Startschuss für die Schaffung der Rahmenbedingungen für digitales Fernsehen in Österreich gegeben. Die Arbeitsgemeinschaft "Digitale Plattform Austria" soll gemeinsam mit Experten und Partnern aus der Wirtschaft die digitale Zukunft Österreichs ab 2003 in medienpolitischem, rechtlichem und wirtschaftlichem Hinblick vorbereiten.

Kathrin Nothaft, geschäftsführende Gesellschafterin des bayrischen Unternehmens TELEBiLD, skizzierte den Stand der TV-Digitalisierung in Großbritannien, Deutschland und den skandinavischen Ländern. Dabei hob sie vor allem die Bedeutung des technischen Standards DVB-T hervor, der sich weltweit - mit Ausnahme der USA - durchsetzt. Das Bemühen um eine aus Wettbewerbsgründen möglichst hohe Zahl von DVB-T-Programmen von Beginn der Digitalisierung an, sei in Österreich von vornherein unmöglich. Frequenzen sind in ganz Europa Mangelware. In Österreich sei aus diesen Gründen wahrscheinlich nur ein Multiplex, in gewissen Bereichen maximal zwei, möglich. So genannte Multiplex-Plattformen dienen der Digitalisierung der Programme. Sie sind das Vertriebssystem des Digital-TV. Wer ein Multiplex besitzt, kontrolliert das Angebot am künftigen TV-Markt.

Regulierungsfragen waren dann auch der Schwerpunkt des Vortrages von Bernd Holznagel von der Wilhelms-Universität Münster. Die technischen Aspekte des Digital-TV verursachen die von Holznagel als "Gatekeeper-Problem" bezeichnete Relevanz der Zugangskontrolle (zum Multiplex). "Derjenige, der hierüber allein verfügt, kann letztlich auch bestimmen, welches Programmangebot den Konsumenten erreicht", erläutert Holznagel. Aus demokratiepolitischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen sei daher allen existierenden und geplanten Programmen gleichermaßen ein diskriminierungsfreier Zugang zu den TV-Haushalten zu gewährleisten. Dies erfordere Regulierungsmaßnahmen nicht nur für den Zugang zu den Muliplexen, sondern auch für die Gestaltung der Navigationsoberfläche.

Laut einer Studie des deutschen Unternehmens LS telcom AG im Auftrag der KommAustria ist in Österreich bereits in der Einführungsphase des digitalen terrestrischen Fernsehens mit einer Abdeckung der Ballungsräume zu rechnen. Wegen des dicht belegten Frequenzspektrums sei eine Umwidmung von analogen Sendern möglich. Dadurch könne es für einige Zuschauer in einer Übergangsphase zu Beeinträchtigungen kommen. Der terrestrische Empfang habe in Österreich eine deutlich wichtigere Rolle als beispielsweise in Deutschland. 21 Prozent der österreichischen TV-Haushalte haben einen ausschließlich terrestrischen Empfang (nur acht Prozent in Deutschland). Die Schaffung eines neuen, flächendeckenden Netzes für DVB-T sei in Österreich laut Studie daher kaum zu erwarten.

zurück 29.01.2002