SBS übernimmt 25 Prozent bei ATV

Die skandinavische SBS-Gruppe (Scandinavian Broadcasting S.A.) übernimmt 25 Prozent am heimischen Privatsender ATV. Dies gab der Aufsichtsrat unter Leitung von Herbert Kloiber von der Concorde Media Freitagnachmittag vor Journalisten bekannt. "Das gemeinsame Projekt beginnt erst richtig am 1. Januar 2002, alles davor ist Umstellungszeit", so Kloiber. Die bisherigen Gesellschafter (BAWAG, UPC und Concorde Media) reduzieren ihre Anteile, so dass nun alle 25 Prozent halten. Die Kloiber nahestehende Allegro Stiftung, die bisher 14 Prozent gehalten hat, scheidet als Gesellschafter aus.

Dass die Werbeeinnahmen 2000 hinter jenen im Jahr davor lagen (von rund 50 Mio. auf ca. 28 Mio. Schilling, Anm. der Red.), begründete Kloiber damit, dass dies bei einer Umstellung in einer Größenordnung wie von Wien1 auf ATV immer der Fall sei. In den in der Öffentlichkeit genannten Zahlen seien aber zahlreiche Einnahmen nicht eingerechnet, wie etwa das tägliche Programmfenster des Homeshopping-Channels H.O.T. Für heuer erwartet sich der Medientycoon eine Verdoppelung der Einnahmen und eine Reduktion des Verlusts um 40 Prozent. An die Medienpolitik appelliert er, die Sonderwerbeformen im ORF zurückzudrängen. "Wir werden den ORF nicht schonen können."

Laut Kloiber sind keinerlei Ausstiegsklauseln mit SBS vereinbart worden. "Wenn dieses Jahr keine terrestrische Frequenz vergeben wird oder die Vergabe von den internationalen Spielregeln abweicht, dann wird man über das Schicksal von ATV nachdenken müssen", schränkte er ein. Sollte ein Vollprogramm sich nicht rechnen, sei auch ein Spartenprogramm denkbar. Dies sei aber nicht die Absicht der Gesellschafter. ATV werde sich mit allen Mitteln um die dritte analoge Frequenz bemühen, Mitbewerber wie etwa die Kronen Zeitung sieht Kloiber keine. "Gespräche mit der Krone hat es immer gegeben und Kooperationen sind jederzeit denkbar."

SBS-Vorstandsvorsitzender und CEO Harry Sloan begründete den Einstieg bei ATV vor allem mit der sich abzuzeichnenden Liberalisierung des TV-Marktes. "Es gibt bereits ein funktionierendes Management und eine Kabelverbreitung als gute Grundlage", so Sloan. Mit einer terrestrischen Verbreitung des Programms würden auch die Marktanteile und damit die Werbeeinahmen von ATV steigen, hofft Sloan. SBS besitzt derzeit elf TV-Stationen in Mittel- und Westeuropa, darunter in den Nachbarländern Ungarn und Schweiz. UPC und Herbert Kloibers Tele München Gruppe sind Anteilseigner an SBS.

zurück 16.02.2001