Erneuter Formatwechsel bei 92.9 RTL Wien

Der Wiener Lokalradiosender 92.9 RTL hat einen Großteil seiner Mitarbeiter gekündigt. Dies bestätigt der neue RTL-Geschäftsführer Ulrich Köring. "Es sind elf freie und sechs fest angestellte Mitarbeiter gekündigt worden", so Köring. 92.9 RTL strahlt ab heute (1.6.) ein Programm aus, das mit wenigen Ausnahmen automatisch vom Computer abgespult wird und von der Musikfarbe etwas breiter angelegt, aber doch beim Rock bleiben soll.

Der 35jährige Köring zeichnet für den mittlerweile vierten Formatwechsel bei 92.9 RTL verantwortlich. Er war seit April 1998 Chefproducer bei 88.6 - Der Musiksender und davor bei verschiedenen Radiostationen in Deutschland beschäftigt.

Für das Ende des Rocksenders dürften auch ehemalige Geschäftsführer und die Anteilseigner verantwortlich sein. "Der Sender wurde von Anfang an falsch am Markt positioniert, wurde zu teuer geführt und leistete sich peinliche Fehler." Unter anderen habe man ein Radio Research Team aus den USA damit beauftragt, die Lieblingsrockhits der Wiener zu finden. Die Amerikaner wären jedoch viel zu teuer gewesen und hätten vom lokalen Markt keine Ahnung gehabt. So wollten sie ein Rockradio etablieren, das Klassiker wie "Another brick in the wall" dreimal täglich spielt. "Das wird jedem Rockfan irgendwann zu viel", so ein Mitarbeiter. "Es ist bedauerlich, dass dem Sender nicht die Zeit gegeben wird, sich am Markt zu etablieren. Ohne große Marketing- und Promotionaktionen haben wir zwischen 70.000 und 100.000 Hörer täglich." Zu wenig nach Ansicht Körings, denn "das Potenzial ist kaum steigerungsfähig". "Das Problem ist auch eine Imagefrage, denn das Image ist durch die ständigen Formatwechsel nicht definierbar." Daher helfe nur ein radikaler Schnitt, der mit Hilfe neuer Marktstudien zu Herbstbeginn erfolgen soll. "Mit Sommerende wird der Sender zu 80% zu einem Schlagerradio werden", mutmaßt der Mitarbeiter. Andere Stimmen vermuten dagegen ein Jugendprogramm.

zurück 1.06.2000