Freie Radios befürchten das Aus

Den Freien Radios in Österreich droht ab August das Aus. Diese Befürchtung vertrat Christian Jungwirth vom Verband Freier Radios in Österreich anlässlich einer Pressekonferenz in Wien über die künftige Finanzierung der Freien Sender. "Mit dem von Kunststaatssekretär Franz Morak angekündigtem Ende der Bundesförderung ist die Zukunft der Freien Radios massiv bedroht", so Jungwirth. Während 1999 noch vier Mio. Schilling aus dem Kulturbudget ausbezahlt wurden, werden es heuer nur mehr eine Mio. Schilling sein, ab 2001 wird die Förderung überhaupt eingestellt. Medienrechtsexpertin Maria Windhager bezeichnete Moraks Plan als "sittenwidrig, willkürlich und verfassungswidrig" und kündigte rechtliche Schritte an.

Morak habe in Gesprächen mit dem Verband zum Ausruck gebracht, dass die Leistungen, die die Freien Radios erbringen, bereits durch den ORF abgedeckt seien. Zudem würden die Freien Radios nach Ansicht der neuen Regierung keine kulturrelevanten Programme senden, daher seien die Subventionen auch nicht zu bewilligen. Moraks Argumente sind für die Radiobetreiber nicht nachvollziehbar. "Der ORF sendet in Kärnten und im Burgenland nur 50 Minuten am Tag Minderheitensendungen, wir aber den ganzen Tag über", so Helmut Peissl vom Minderheitensender Radio Agora in Klagenfurt. Außerdem sei es falsch, ergänzte Fiona Steinert vom Wiener Radio Orange 94.0, dass die Programme den selbst auferlegten Kulturauftrag nicht erfüllen würden. Sie fordert einen erweiterten Kulturbegriff, unter den auch die Freien Radios fallen.

Ablehnend zeigten sich die Radiomacher über den Vorschlag Moraks, sich künftig wie die kommerziellen Privatradios über Werbung zu finanzieren. "Dadurch würden aus Freien Radios Kommerzsender werden, die unter Quotendruck stehen und damit in Folge von den Werbekunden abhängig sind," argumentiert Christine Schäffler von Radio Freequenns. Die derzeit neun sendenden und vier noch auf Bewilligung wartenden Programme setzen daher auf eine Rücknahme der geplanten Einsparungen. Sollte dies nicht geschehen, werde man klagen. "Die freien Radios erfüllen alle Voraussetzungen für die Bundesförderung, den Anträgen ist daher statt zu geben", fordert Windhager. (pte)

zurück 22.05.2000